50 Jahre OWWF Bayern

Meldung vom 1. Januar 1970

Jubiläumsveranstaltung in Weiden in der Oberpfalz

Bericht:
 
 

Bericht von der Feier:

 

„Einen Löwen für den Löwen“ bekam Josef Döllner als Gründungsmitglied des OstWestWirtschaftsClubs vom OWWF-Präsidenten Eberhard Sinner überreicht. Der weiße Porzellanlöwe der Nymphenburger Porzellanmanufaktur symbolisierte 50 Jahre Förderung, Begleitung, Unterstützung und Inspiration, wie Sinner meinte.

 

Mit hochkarätiger Besetzung wurde den Nachmittag und Abend lang das 50 jährige Wirken des OstWestWirtschaftsForums mit den Vorgängerorganisationen OWWC und DOM gefeiert. Gewohnt eloquent führte OWWF-Präsident Eberhard Sinner durch das Programm. Die Festrede hielt der frühere bayerische Ministerpräsident Dr. Günter Beckstein, Grußworte gab es vom Gastgeber der Stadt Weiden, Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, sowie vom tschechischen Konsul Mgr. Jan Kreuter. OWWF-Geschäftsführer Hermann Pönisch führte das Publikum in eine Reise in die Vergangenheit an den Gründungsimpuls des OWWClubs zurück.

 

So erfuhren die Zuhörer, dass im Jahr der Grenzöffnung ein liegengebliebenes Auto im Niemandsland zwischen Bayern und Tschechoslowakei zu ersten Gesprächen zwischen den Grenzstationen führte und der damalige Chamer Landrat Dr. Max Fischer mit dem OstWestWirtschaftsClub ein zivilgesellschaftliches Forum außerhalb der großen Politik schaffen wollte, um Ost und West im Dialog zusammenzubringen.

 

Der angestrebte „kleine Grenzverkehr" hätte Wellen bis nach Bonn geschlagen, bemerkte Dr. Günter Beckstein zur Aktion Fischers. Aus den Barrieren der Angangszeit wurden viele Brücken, die Arbeit habe sich gelohnt, kommentierte Eberhard Sinner.

 

Grenzüberschreitende mutige Ideen und Projekte zur Zusammenarbeit von z.B. Polizei und Brandschutz seien bereits während des Kalten Krieges abseits der großen Politik geschaffen worden, erinnerte Dr. Beckstein. „Die Deutsch-Österreichische Grenze ist heute schwieriger zu passieren als die Deutsch-Tschechische“, meinte er. Die Zusammenarbeit mit den Ländern im Osten Bayerns hätte viele Möglichkeiten hervorgebracht, Nachbarschaft zu gestalten, beispielsweise im Bereich Automobilindustrie und Pflege. Der ehemalige Ministerpräsident sah weitere Möglichkeiten einer Europäischen Verbesserung durch die Schaffung einer Europäischen Armee, die stärker sei, als das Militär der einzelnen Nationen. Dr. Beckstein lobte besonders die OWWF-Projekte „Friedensspiel Fußball U18“ und „Friedenskapelle Rossoschka“. Damit seinen sehr wirkungsvolle emotionale Bezüge hergestellt worden, meinte Sinner.

 

Dr. Beckstein dankte Eberhard Sinner für die Verdienste des OWWF um die Aussöhnung zwischen Ost und West, die „seriös und ehrlich, ernsthaft und verlässlich, mit konkreten Schritten und um langfristig etwas zu erreichen“ ausgelegt sei. „Die Arbeit des OWWF ist nicht überholt. Mit Projekten wie der Seidenstraße beschäftigt sich das OWWF mit künftigen Herausforderungen“.

 

OB Kurt Seggewiß ehrte den OWWF als ältesten Verband Deutschlands, der sich für die Ost-West-Beziehungen eingesetzt habe. Er erwähnte das große Engagement des gebürtigen Weidener ehemaligen Bayerischen Ministers Dr. h.c. August Lang für die Verbesserung des Grenzverkehrs mit der Tschechoslowakei. Heute profitierten davon auch die grenznahen Universitäten und Hochschulen auf beiden Seiten. In der Europäischen Berufsschule Weiden wird bilingual unterrichtet, sogar Dolmetscher für Tschechisch werden ausgebildet.

 

Für Konsul Mgr. Jan Kreuter profitierte vom Informationsfluss zwischen den Ländern insbesondere die Völkerverständigung mit dem Abbau von Vorurteilen. Der OWWF habe zu diesen Kommunikations-Boten gehört. Er wünsche sich auch weiterhin dem Dialog zwischen Andersdenkenden, um auch hier gemeinsame Werte und Ausgangspunkte zu erkennen. Damit könne der aktuellen Welle der Nationalisierung gegengewirkt werden. Dabei zitierte er Tomas Masaryk, den Gründer und ersten Staatspräsident der Tschechoslowakei: „Als Patriot kann ich meine Nation lieben, muss andere aber nicht hassen“.

 

Geschäftsführender OWWF-Vorstandsvorsitzender Hermann Pönisch erinnerte in seinem Streifzug durch die Geschichte daran, dass der OWWC die Städtepartnerschaft zwischen München und Kiew initiiert habe. Josef Döllner unterstützte tatkräftig die Renovierung der Probstei Maria Kulm, dem Wallfahrtsort der Egerländer. Im Jahr 1992 arrangierte der OWWC ein erstes persönliches Treffen zwischen dem damaligen tschechoslowakischen Ministerpräsident Vaclav Klaus und Staatsminister Franz Neubauer, lange Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, im Rahmen eines Wirtschaftssymposiums im Münchner Hotel Vier Jahreszeiten. Das 1991 gegründete DOM hätte die Kooperation mit mittleren und großen Bayerischen Firmen eingebracht, 2016 haben OWWC und DOM zum OWWF Bayern fusioniert. Mit dem Projekt „Friedenskapelle Rossoschka“ sei ein großer Erfolg gelungen, denn aus den Nennungen der Spender auf der Spendertafel, die insgesamt 220.000€ gesammelt hatten, hätten sich vielfache Bayerisch-Russische Geschäfte ergeben. Russland-Experte Christian Holtz wurde in dem Zusammenhang sehr gedankt. „Aber unser Einsatz für Völkerverständigung begann an der Grenze zwischen Bayern und Böhmen“ schloss Pönisch seine Erinnerungsreise ab.

 

Eberhard Sinner gab der Zuhörerschaft einen Ausblick auf die aktuellen Themen des OWWF: Donaustrategie, Seidenstraße und Russland. „Wir brauchen offene Grenzen im Donauraum, nicht zuletzt, um die Adriahäfen anzubinden“, erklärte er. Damit seien Transporte schneller durchzuführen. Entsprechende Forderungen werden an die Politik formuliert. Ein erweiterter Wirtschaftsraum inklusive Russland für Sicherheit, Innovation und Energie sei mehr denn je notwendig.

 

 

Die Tageszeitung "Der Neue Tag" in Weiden war bei der Veranstaltung dabei und hat folgenden Artikel veröffentlicht:

https://www.onetz.de/oberpfalz/weiden-oberpfalz/geschichtsstunde-guenther-beckstein-id2526557.html

 
 
 
 
 
Ankündigung der Feier:
 

Im Jahr 1968 wurde nach längerer Vorbereitungszeit der OWWC
OstWestWirtschaftsclub eV gegründet. Maßgeblichen Anteil daran hatten der damalige Chamer Landrat, Dr. Max Fischer, der aus dem Sudetenland stammende Walter Richter und der Egerländer Josef Döllner.


Der OWWF Bayern ist damit der älteste Verband in Deutschland, der sich um die Verbesserung der Beziehungen mit unseren östlichen Nachbarn bemüht. Wir wollen die 50-jährige Geschichte bei einer Festveranstaltung in Weiden/Oberpfalz Revue passieren lassen und laden Sie dazu ein:


Festveranstaltung 50 Jahre OWWF Bayern
Max-Reger-Halle, Weiden/Oberpfalz
Festansprache: Ministerpräsident a. D. Dr. Günther Beckstein
Samstag, 20. Oktober 2018, 14:00 Uhr


Mitten im Kalten Krieg hatten sich die Gründungsmitglieder das Ziel gesetzt, den Eisernen Vorhang an der bayerisch-tschoslowakischen Grenze durchlässig zu machen, um menschliche Begegnungen zu ermöglichen. Josef Döllner, der letzter Überlebende der „Gründungsväter“, hörte nie auf, die Menschen diesseits und jenseits der heute praktisch nicht mehr existierenden Grenze trotz aller

Belastungen durch die geschichtlichen Ereignisse zusammen zu bringen.

 

Zusammen mit den Präsidenten Dr. Max Fischer, Rolf Obler, Dr. h. c. Gustl Lang und Kurt Rossmanith war er als Geschäftsführender Vorsitzender der „Spiritus Rex“ des OWWC und führte den Club durch bewegte Zeiten.


In Weiden haben wir 2008 schon das 40-jährige Bestehen des OWWC gefeiert. In der Oberpfalz hat war die Problematik der undurchlässigen Grenze zum Nachbarn Tschechoslowakei besonders stark zu spüren. Dr. Max Fischer aus Cham war der erste Politiker, der schon ab der Öffnung der ersten Grenzübergänge im Jahr 1964 versuchte, einen kleinen Grenzverkehr zu initiieren. Dr. h. c. Gustl Lang war auch nach dem Fall des Eisernernen Vorhangs bemührt, eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen den Grenzregionen der Oberpfalz und Westböhmens zu ermöglichen. Aus diesen Anfängen entwickelte sich das OWWF Bayern zum Brückenbauer zwischen Bayern und seinen Nachbarn imOsten bis hin nach China.


Im Rahmen des Programms möchten wir Ihnen einen Abriss über die Geschichte unserer beiden Vorgängerverbände OWWC und DOM Deutsches Ostforum München geben. Am Abend findet ein festliches Abendessen im neben der Max-Reger-Halle gelegenen Hotel Amedia statt.

 

Am Sonntag bieten wir Ihnen die Möglichkeit, die Entwicklung der Grenzregion zwischen Weiden und seiner Partnerstadt im böhmischen Bäderdreieck, dem weltberühmten Marienbad zu „erfahren“.


Falls Sie in Weiden übernachten wollen, können Sie ein Zimmer im Hotel Amedia zum Vorzugspreis von € 67,00 im Einzelzimmer bzw. € 45,00 im Doppelzimmer, jeweils pro Person für Übernachtung/Frühstück buchen. Bitte geben Sie dies bei Ihrer Anmeldung an.


Wir freuen uns, dieses denkwürdige Jubiläum mit Ihnen gemeinsam zu feiern. Gäste sind natürlich wie immer herzlich willkommen. Bitte melden Sie sich per Email info@owwf.bayern an.

 

Programm


Samstag, 20. Oktober 2018
14:00 Uhr Beginn der Veranstaltung
Musikalische Umrahmung
Begrüßung durch den OWWF Präsidenten, Staatsminister a. D. Eberhard Sinner
Grußwort des OB Kurt Seggewiss, Mitglied im OWWF Vorstand
Grußwort Frau Kristina Larischová, Generalkonsulin Tschechien
15:00 Uhr Festvortrag
Ministerpräsident a. D. Dr. Günther Beckstein, Mitglied im OWWF Kuratorium
15:30 Uhr Kaffeepause
16:00 Uhr Geschichte des OWWC/OWWF mit Ehrung des Gründungsmitglieds
und langjährigen geschäftsführenden Vorsitzenden, Ehrenpräsident Josef Döllner
Geschichte des DOM Deutsches Ostforum München
17:00 Uhr Musikalischer Abschluss
Ende der Festveranstaltung
18:30 Uhr Festliches Abendessen
Hotel Amedia (liegt direkt neben der Max-Reger-Halle)
(Preis pro Person – Buffet € 35,00)
Die Getränke werden vom OWWF Bayern übernommen


Sonntag, 22. Oktober 2018
Busrundfahrt im bayerisch-böhmischen Grenzland
(bei genügend Anmeldungen)
10:00 Uhr Abfahrt in Weiden
Fahrt über Mähring (Grenzübergang)
11:30 Uhr Marienbad
Besichtigung
13:00 Uhr Mittagessen in Marienbad (auf eigene Kosten)
15:00 Uhr Rückfahrt über Rozvadov/Waidhaus über Waldassen
16:30 Uhr Rückkunft in Weiden

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